Das Hızır-Fasten der Aleviten

Die Aleviten fasten dieses Jahr vom 09. bis zum 11.02.2021 drei Tage lang zu Ehren von Hızır. Er wird auch je nach Region Xidir, Chidir, Chadhir, Khizer genannt und gilt überall als der Schutzpatron der Menschen in Not. Dem weißbärtigen, anatolischen Heiligen wird nachgesagt, dass er auf einem weißen Schimmel angeritten kommt, wenn Menschen ihn von ganzem Herzen mit den Worten „Yetiş Ya Hızır“ zu deutsch „Eile herbei Hızır“ rufen. Er und sein Bruder Ilyas, haben laut alevitischen Überlieferungen das sogenannte „Wasser der Unsterblichkeit“ getrunken, weshalb sie den Menschen noch heute zur Hilfe kommen und Glück sowie Wohlstand bringen. Dem Glauben nach kommt Hızır den Menschen, die auf dem Land in Not geraten, und Ilyas jenen auf dem Meer zur Hilfe.
 

Welche Mythen ranken sich um den Heiligen?

Laut einer Legende sei Hızır das erste Mal Gefährten von Noah zur Rettung geeilt. So haben diese ihn gerufen als die Essenvorräte immer knapper wurden und sie Hunger fürchteten. Die mit Menschen und Tieren beladene Arche wurde der Sage nach vor der Sintflut geschützt und entkam durch ihn knapp der Hungersnot. Nachdem die Seekatastrophe überstanden war, sollen die Geretteten drei Tage lang als Dank gefastet sowie eine Süßspeise aus Weizen und Trockenfrüchten vorbereitet haben.
 
Einer anderen Erzählung zufolge fasteten der Prophet Ali und seine Frau Fatima drei Tage lang für die Genesung ihrer kranken Kinder. An jedem Fastenabend klopfte es an deren Tür und ein armer, hungriger Mann bat um Hilfe und Essen. Die Familie verzichtete auf ihr letztes Brot und half dem Bedürftigen. Viele Aleviten glauben, dass diese Gestalt Hızır selbst war, der Ali und Fatima aufgesucht hat. Viele Aleviten nehmen daher das Hızır Fasten als Anlass um für Gesundheit und Genesung zu beten.
 

Brauchtum & Tradition

Für gewöhnlich findet die Fastenzeit in der zweiten Februarwoche an den Tagen Dienstag, Mittwoch und Donnerstag statt. Sämtliche Räumlichkeiten im Haus werden zuvor gründlich gereinigt, da angenommen wird, dass Hızır ordentlichen und sauberen Orte eher einen Besuch abstattet. An den Abenden werden üblicherweise Gaben für den Schutzpatron gebacken, deren Teig über Nacht ruht. Jedes Familienmitglied darf sich etwas persönliches wünschen. Laut der Legende hinterlässt Hızır besondere Zeichen auf den Speisen der Familien, die er besucht hat.
 
Mit dem Ende des dreitägigen Fastens findet eine Cem-Zeremonie statt. Dazu treffen sich Gläubige in den Glaubenshäusern und kosten gemeinsam die Häppchen der Anderen, die zu Ehren Hızırs gebacken wurden. Es wird darauf gehofft, dass sich so die Wahrscheinlichkeit erhöht von der Speise zu kosten, die der Heilige gesegnet hat. Es gehört auch zur Tradition, dass am Freitagabend Friedhöfe besucht werden, um Kerzen zu entzünden als Zeichen dafür, dass Hızır auch hier willkommen ist.